Am 12. August 2026 zeigte ORF 1 die zweiteilige Dokumentation «Die gefährlichsten Firmen der Welt – Big Tech», eine Koproduktion von ZDFinfo und Nordend Film unter der Regie von Jens Strohschnieder. Der Titel ist bewusst provokant gewählt, denn der Film ist keine reißerische Abrechnung, sondern eine fundierte Analyse: Die Süddeutsche Zeitung nannte ihn in ihrer Kritik einen «Monsterfilm» und lobte ihn als «Bildungsfernsehen im besten Sinne», weil er digitale Konzerne konsequent als politische Institutionen beschreibt – nicht nur als Wirtschaftsunternehmen.
Vom Hippie-Idealismus zum Datenmonopol
Teil eins, «Der Aufstieg der Datenkraken», erzählt die Geschichte von Google, Amazon, Meta, Microsoft und Apple von ihren Anfängen im Silicon Valley der 1970er-Jahre bis zu den heutigen Monopolen. Der Film zeigt, wie aus einer ursprünglich idealistischen Vision – freie Information, offene Netzwerke – ein milliardenschweres Geschäftsmodell wurde, das auf Überwachung, Datenhandel und gezielter psychologischer Beeinflussung des Nutzungsverhaltens beruht. Zu Wort kommt unter anderem der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree, der erklärt, wie Google ein psychologisches Engagement-Modell etablierte, das später von praktisch allen anderen Plattformen kopiert wurde.
Wenn Daten zur politischen Waffe werden
Teil zwei, «Milliarden, Manipulation, Macht», widmet sich der politischen Dimension der Datenmacht. Anhand von Fällen wie Cambridge Analytica und internen Facebook-Experimenten zeigt die Doku, wie psychologische Profile erstellt und Algorithmen genutzt werden, um Emotionen zu steuern und Wahlen zu beeinflussen – von Obamas Kampagne bis zu Trump. Die frühere EU-Abgeordnete Marietje Schaake und der Psychologe Michal Kosinski, bekannt für seine Forschung zur Vorhersagbarkeit persönlicher Merkmale aus Nutzerdaten, ordnen ein, wie fragil Demokratie und Öffentlichkeit im Zeitalter exzessiver Datensammlung geworden sind.
Ein Plädoyer für mehr Regulierung
Markus Beckedahl von netzpolitik.org, der die Produktion beratend begleitet hat, beschreibt den Film als klares Plädoyer für eine konsequentere Regulierung von Big Tech – und findet, dass die Rundfunkgebühren hier gut investiert seien. Auch das Wirtschaftsmagazin Business Punk zieht ein deutliches Fazit: Big Tech habe den KI-Wettbewerb bereits gewonnen, bevor er richtig begonnen habe, während Politik und Regulierung Jahre hinterherhinken.
Warum das für uns alle relevant ist
Für uns bei Pretty Simple Privacy ist diese Doku ein weiterer Beleg dafür, warum digitale Selbstbestimmung kein Nischenthema für Technik-Enthusiasten ist, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Die im Film gezeigten Mechanismen – Dark Patterns, psychologisches Engagement-Design, invasive Datensammlung – sind genau die Praktiken, vor denen wir mit unseren Guides schützen wollen. Wer verstehen will, wie diese Systeme im Detail funktionieren, sollte sich beide Teile ansehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zweiteilige ZDFinfo/ORF-Doku analysiert Aufstieg und Macht von Google, Meta, Amazon, Apple und Microsoft
- Teil 1 zeigt den historischen Weg vom Silicon-Valley-Idealismus zum Überwachungsgeschäftsmodell
- Teil 2 beleuchtet Cambridge Analytica, Wahlmanipulation und die politische Dimension von Datenmacht
- Experten wie Martin Andree, Marietje Schaake und Michal Kosinski liefern fundierte Einordnung
- Beide Teile sind bis 12. August 2027 in der ORF-ON-Mediathek sowie in der ZDF-Mediathek verfügbar – unsere klare Empfehlung: beide Teile ansehen
Foto: cottonbro studio via Pexels
