Eine normale E-Mail ist eine Postkarte. Sie läuft unterwegs über mehrere Server, und jeder, der sie unterwegs in die Hand bekommt, kann sie lesen, allen voran dein E-Mail-Anbieter. Verschlüsselung steckt diese Postkarte in einen verschlossenen Umschlag, den nur der Empfänger öffnen kann.
Das funktioniert mit einem Schlüsselpaar. Dein öffentlicher Schlüssel ist ein Schloss, das du an alle verteilen kannst. Dein privater Schlüssel bleibt bei dir und öffnet, was für dich abgeschlossen wurde. Um jemandem zu schreiben, verschliesst du die Nachricht mit dessen öffentlichem Schlüssel. Deshalb müssen beide Seiten eingerichtet sein. Eine ehrliche Grenze: Betreff und die Adressen von Absender und Empfänger bleiben meist sichtbar.
Drei Möglichkeiten decken die meisten Fälle ab, und wir haben alle getestet:
| Option | Windows | Android | iPhone | Eigene Adresse behalten | Aufwand |
|---|---|---|---|---|---|
| Proton Mail | Ja | Ja | Ja | Ja, mit Bezahlplan und eigener Domain | Gering |
| Thunderbird | Ja | Ja, mit OpenKeychain | Noch nicht | Ja | Mittel |
| Outlook mit Plugin | Ja, klassisches Outlook | Nein | Nein | Ja | Höher |
Proton Mail, der einfachste Weg
Proton Mail verschlüsselt automatisch zwischen Proton-Nutzern. Du musst keine Schlüssel verwalten. Wenn du jemandem ausserhalb von Proton schreibst, schickst du eine passwortgeschützte E-Mail: Die Person erhält einen Link, gibt das vereinbarte Passwort ein und kann sicher antworten. Das funktioniert auch mit einem kostenlosen Konto. Vereinbare das Passwort telefonisch oder über einen Messenger, nie per E-Mail. Nutzt dein Kontakt bereits PGP, importierst du dessen öffentlichen Schlüssel, und Proton verschlüsselt direkt für diese Person.
Willst du deine eigene Adresse behalten, kannst du mit jedem Bezahlplan deine eigene Domain verwenden. Alle schreiben weiter an du@deinedomain.ch, während das Postfach bei Proton liegt. Proton läuft in jedem Browser, und es gibt Apps für Windows, Android und iPhone.
Thunderbird für volle Kontrolle
Thunderbird ist kostenlos, quelloffen und funktioniert mit deinem bisherigen Anbieter, ob Gmail oder etwas anderes. Wir haben es unter Linux und Android getestet. Auf dem Desktop fügst du dein Konto hinzu, öffnest die Konto-Einstellungen, wählst «Ende-zu-Ende-Verschlüsselung» und erstellst einen neuen OpenPGP-Schlüssel. Deinen öffentlichen Schlüssel veröffentlichst du mit einem Klick. Um jemandem zu schreiben, importierst du dessen öffentlichen Schlüssel und klickst vor dem Senden auf «Verschlüsseln». Thunderbird warnt dich, wenn der Schlüssel eines Empfängers fehlt.
Auf Android kombinierst du die Thunderbird-App mit der kostenlosen App OpenKeychain, die deine Schlüssel verwaltet. Mozilla bietet dafür eine kurze Anleitung an (auf Englisch). Thunderbird für das iPhone ist noch in Entwicklung.
Outlook braucht ein Plugin
Outlook kann von sich aus kein PGP. Unter Windows enthält das kostenlose Paket Gpg4win das Add-in GpgOL für das klassische Outlook, das eine Schaltfläche «Verschlüsseln» ergänzt. Genau diese Variante haben wir getestet. Das neue Outlook hat ein eigenes Add-in, das 2026 noch als experimentell gekennzeichnet war. Outlook auf dem Handy bietet gar kein PGP. Wer ohnehin in Outlook lebt, kann so arbeiten. Allen anderen empfehlen wir eine der beiden anderen Möglichkeiten.
Verschlüsselte E-Mails auf dem iPhone
Apple Mail unterstützt kein PGP, du brauchst also eine andere App. Die Proton-Mail-App ist der einfachste Weg. Möchtest du deinen bisherigen Anbieter behalten, haben wir Canary Mail getestet, das mit den meisten Anbietern funktioniert. PGP gehört zum kostenpflichtigen Plan Pro+, zum Zeitpunkt des Schreibens rund 100 US-Dollar im Jahr. Die App ist nicht quelloffen und hat optionale KI-Funktionen.
Wenn du Gmail nutzt, ist FlowCrypt eine weitere Möglichkeit. Wir haben es nicht selbst getestet, aber All Things Secured zeigt es in diesem Video (auf Englisch). Es gibt weitere Lösungen, die wir ebenfalls nicht getestet haben.
Welchen Weg du auch wählst, beginne mit einem Test. Tausche Schlüssel mit einer befreundeten Person aus, schicke eine Nachricht und achte auf das Schloss-Symbol. Für die meisten ist Proton Mail der einfachste Einstieg. Willst du deinen bisherigen Anbieter behalten, gibt dir Thunderbird volle Kontrolle. Möchtest du mehr erfahren oder brauchst du Hilfe bei der Einrichtung? Melde dich bei uns.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine normale E-Mail ist eine Postkarte, Verschlüsselung ist der verschlossene Umschlag.
- Proton Mail ist der einfachste Einstieg und funktioniert mit einem Bezahlplan auch mit deiner eigenen Domain.
- Thunderbird behält deinen bisherigen Anbieter und gibt dir volle Kontrolle.
- Outlook funktioniert mit einem Plugin nur unter Windows, und auf dem iPhone brauchst du Proton Mail oder Canary Mail.
Foto: Raymond Petrik via Pexels
