Wir haben ein Werkzeug gebaut, das Datenschutzerklärungen liest

Du hast Hunderten von Datenschutzerklärungen zugestimmt. Gelesen hast du vermutlich keine einzige davon. Das ist keine Faulheit, das ist so beabsichtigt. Eine viel zitierte amerikanische Studie aus dem Jahr 2008 kam zum Schluss, dass man rund 76 Arbeitstage im Jahr bräuchte, um jede Datenschutzerklärung wirklich zu lesen, der man begegnet. Also scrollen wir nach unten, klicken auf den Knopf und machen weiter.

Das Merkwürdige daran ist, dass nichts davon versteckt ist. Die Erklärung steht da, verlinkt am Fuss jeder Seite, jederzeit frei zugänglich. Sie ist öffentlich und sie ist undurchdringlich, und diese Kombination wirkt besser als Geheimhaltung. Gegen eine Klausel, die du ohnehin nie gefunden hättest, kannst du dich nicht wehren.

Gemacht zum Zustimmen, nicht zum Lesen

Öffne die Datenschutzerklärung einer grossen Plattform und du triffst immer wieder auf dieselben Mittel. Zuerst die Länge — zehntausend Wörter sind nicht ungewöhnlich. Dann die definierten Begriffe, untereinander verknüpft, sodass ein einzelner Satz ohne drei andere nicht zu verstehen ist. Dann der weiche Plural: Deine Daten werden mit unseren Partnern geteilt, mit unseren verbundenen Unternehmen, mit unseren Dienstleistern. Wer genau das ist, steht selten dabei.

Achte besonders auf das Wort «können». Es leistet fast die ganze Arbeit. «Wir können deine Informationen verwenden, um unsere Dienste zu verbessern» beschreibt überhaupt nichts. Es ist eine Erlaubnis, im Voraus erteilt, für alles, was sich später als nützlich herausstellt. Jede vage Formulierung ist eine absichtlich unverschlossen gelassene Tür.

Das ist nicht immer Absicht — solche Texte werden von Juristen für Aufsichtsbehörden geschrieben, nicht für die Person mit dem Handy in der Hand. Für dich ist die Wirkung dieselbe.

Die acht wichtigen Fragen

Nimmt man die Struktur weg, fällt fast alles, was du wissen möchtest, in acht Fragen. Was sammeln sie? Mit wem teilen sie es? Hast du eine echte Wahl, oder heisst es nimm es oder lass es? Wie lange behalten sie es? Wie viel Kontrolle hast du, wenn sie es einmal haben? Womit verdienen sie Geld? Wie schützen sie es? Und wo sind sie rechtlich belangbar?

Zwei davon wiegen schwerer, als die meisten vermuten. Womit ein Unternehmen Geld verdient, ist der entscheidende Hinweis — lautet die Antwort Werbung, ergeben sich die meisten anderen Antworten von selbst. Und wo ein Unternehmen belangbar ist, entscheidet darüber, was deine Rechte wert sind: Ein Recht, das du nur vor einem ausländischen Gericht durchsetzen kannst, ist ein Recht dem Namen nach.

Das Werkzeug liest für dich

Also haben wir etwas gebaut, das sie für dich liest. Gib den Namen eines Online-Dienstes oder einer App ein, füge einen Link ein oder kopiere den Text der Erklärung hinein, und das Werkzeug holt das echte Dokument und bewertet es anhand dieser acht Fragen, von eins bis fünf, mit einer kurzen Begründung zu jedem Punkt und einer Gesamtnote.

Es ist kostenlos, braucht kein Konto und speichert nichts über dich — keine E-Mail-Adresse, keine IP-Adresse, keine Sitzung. Ergebnisse werden eine Weile aufbewahrt, damit dieselbe Abfrage beim zweiten Mal sofort da ist. Aufbewahrt wird aber die Bewertung der Erklärung, nicht die Information, wer gefragt hat.

Hinweis

Das Werkzeug selbst gibt es vorerst nur auf Englisch. Die Eingabemaske, die acht Kategorien und die Begründungen erscheinen auf Englisch. Eine deutsche Fassung ist angedacht, hat aber noch keinen Termin. Dieser Artikel erklärt dir auf Deutsch, was dich dort erwartet.

Was es nicht kann

Das Werkzeug arbeitet automatisch und ungeprüft. Damit unterscheidet es sich von anderem auf dieser Seite — jede Lösung, die wir empfehlen, haben wir vorher selbst getestet. Diese Bewertungen nicht. Auf jedem Ergebnis steht genau dieser Hinweis.

Ausserdem beurteilt es das Dokument, nicht das Unternehmen. Eine Datenschutzerklärung ist ein Versprechen, und ein Versprechen ist kein Beweis. Ein Unternehmen kann eine vorbildlich klare Erklärung schreiben und sich trotzdem schlecht verhalten. Und wenn ein Dienst seine Bestimmungen über mehrere Seiten verteilt, sieht das Werkzeug unter Umständen nur eine davon und bewertet das, was vor ihm liegt.

Nimm das Ergebnis also als Ausgangspunkt. Nicht als Urteil — sondern als Möglichkeit, in einer Minute herauszufinden, wofür du sonst einen Nachmittag bräuchtest, damit du entscheiden kannst, ob sich dieser Nachmittag lohnt. Entscheiden musst immer noch du. Der Unterschied ist, dass du es jetzt mit einer Vorstellung davon tun kannst, wozu du Ja sagst.

Probier es selbst aus

Unser Werkzeug

Privacy Policy Checker

Dienstname eingeben, Link einfügen oder Text hineinkopieren. Acht verständliche Bewertungen und eine Gesamtnote. Kostenlos, ohne Konto, ohne dass etwas über dich gespeichert wird. Nur auf Englisch verfügbar.

Werkzeug öffnen →

Wir sind nicht die Einzigen, die sich daran versucht haben. Das einzige andere Projekt, das wir dir guten Gewissens empfehlen können, ist Terms of Service; Didn’t Read. Es geht einen anderen Weg: Menschen lesen die Bestimmungen, markieren einzelne Klauseln als gut oder schlecht, und daraus ergibt sich eine Note von A bis E. Die Begründungen sind einsehbar, und eine Browser-Erweiterung zeigt dir die Note direkt beim Besuch einer Seite. Wo es einen Eintrag gibt, ist er mehr wert als jede automatische Bewertung — auch mehr als unsere. Was es offenlässt, ist alles Übrige, und genau deshalb haben wir überhaupt etwas gebaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Datenschutzerklärungen sind öffentlich, aber unlesbar — alle zu lesen würde rund 76 Arbeitstage im Jahr kosten.
  • Achte auf das Wort «können» und auf unbenannte «Partner» — beides erteilt eine Erlaubnis, ohne etwas zu beschreiben.
  • Acht Fragen decken fast alles Wichtige ab, und womit ein Unternehmen Geld verdient, sagt die meisten anderen Antworten voraus.
  • Unser Privacy Policy Checker bewertet jede Erklärung anhand dieser acht Punkte — kostenlos, ohne Konto, ohne Daten über dich.
  • Das Werkzeug gibt es bislang nur auf Englisch, und es arbeitet automatisch und ungeprüft: ein Ausgangspunkt, kein Urteil.

Foto: Pavel Danilyuk via Pexels

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