Metas Smart-Brille gegen Normal F***ing Sunglasses

Irgendwo in einer DuckDuckGo-Marketingsitzung hat jemand vorgeschlagen, eine Sonnenbrille ganz ohne «smarte» Funktionen als Witz zu verkaufen — und sie war innerhalb einer Woche ausverkauft. Das Produkt heißt «Normal F***ing Sunglasses.» Keine Kameras, keine KI, kein Cloud-Upload, «0% Chance, heimlich Freunde aufzunehmen.» Es ist Satire, aber auch ein Datenblatt mit einer klaren Aussage. Stellen wir es Metas echter Smart-Brille gegenüber und schauen, wer gewinnt.

Meta Ray-Ban Brille DuckDuckGo Normal F***ing Sunglasses
Kameras 1–2 0
Akkulaufzeit ~8 Stunden Unendlich
Chance, auf einem Server im Ausland zu landen Nicht null 0%
Gesichtserkennung geplant Berichten zufolge ja lol nein

Der lustige Teil ist vorbei. Hier ist, warum DuckDuckGo diesen Witz überhaupt nötig hatte.

Die LED reicht nicht aus

Metas Brille hat ein kleines weißes Licht, das beim Aufnehmen blinkt — das gesamte Datenschutzversprechen des Unternehmens. Es ist leicht zu übersehen, und Workarounds zum Deaktivieren kursieren offen im Netz, wie netzpolitik.org dokumentiert hat.

Deutschlands Aufsicht fordert ein Verbot

Hamburgs Datenschutzbeauftragter hat die Brille ausführlich getestet und kommt laut heise-Berichterstattung zu dem Schluss, dass das unbemerkte Filmen von Personen im öffentlichen Raum eindeutig gegen deutsches Datenschutzrecht verstößt — Deutschland verbietet bereits als Alltagsgegenstände getarnte Aufnahmegeräte. Die Bundesnetzagentur widerspricht dem inzwischen und sieht die LED derzeit als ausreichenden Hinweis an. Der Streit darüber, ob die Brille als getarnte Kamera gilt, ist also noch offen.

Die menschliche Seite, die niemand beworben hat

Der österreichische Standard berichtete kürzlich, dass soziale Netzwerke mit Videos überflutet werden, in denen Männer mit Metas Brille Frauen filmen und belästigen, die dem nie zugestimmt haben — ohne klare Verantwortung seitens der Hersteller. Das ist kein hypothetisches Zustimmungsproblem mehr, sondern dokumentierte Realität, die kaum adressiert wird.

Gesichtserkennung war nie vom Tisch

Meta betont, bewusst auf Gesichtserkennung verzichtet zu haben. Doch WIRED fand ruhenden Gesichtserkennungscode in der Begleit-App, und ein kürzlich veröffentlichtes Patent zeigt, wie die Brille einen Raum scannt, Gäste identifiziert und automatisch filmt, wen sie für interessant hält. Nichts davon ist als tatsächliches Feature bestätigt, aber die Richtung ist klar genug, dass über 70 Organisationen und drei US-Senatoren Meta separat aufgefordert haben, davon abzusehen.

Überwachung als Geschäftsmodell

Zoomt man raus, sind Smart Glasses nur das neueste Datensammelgerät eines Unternehmens, dessen gesamtes Geschäftsmodell darauf beruht, alles über einen zu wissen. Meta verfolgt bereits, was einem gefällt, mit wem man spricht und wohin man geht — die Brille fügt hinzu, was man sieht, direkt vom eigenen Gesicht gestreamt. Kombiniert mit künftiger Gesichtserkennung wird aus dem «KI-Assistenten» ein System, das Fremde auf einen Blick identifizieren und leise Profile aller Menschen anlegen kann, die einem über den Weg laufen — auch jener, die sich nie irgendwo angemeldet haben. Das ist längst keine Unannehmlichkeit für Umstehende mehr, sondern die Infrastruktur für Massenüberwachung, verpackt in ein Wayfarer-Gestell.

Was das für Umstehende bedeutet

Der ungelöste rote Faden ist die Zustimmung. Wer die Brille trägt, hat Metas Nutzungsbedingungen zugestimmt. Die Menschen drumherum nie — und das geltende Datenschutzrecht wurde größtenteils für eine Welt geschrieben, in der es noch keine gesichtsmontierte Kamera gab, die aussieht wie eine ganz normale Brille.

Das Wichtigste in Kürze

  • Metas Aufnahme-LED ist leicht zu übersehen und lässt sich mit bekannten Workarounds deaktivieren.
  • Hamburgs Datenschutzbehörde hält ein deutsches Verkaufsverbot für möglich; die Bundesnetzagentur widerspricht derzeit.
  • Der Standard berichtet über ein dokumentiertes Muster von Frauen, die mit der Brille gefilmt und belästigt werden.
  • Ruhender Gesichtserkennungscode und ein aktuelles Meta-Patent zeigen, dass die Funktion langfristig nicht vom Tisch ist.
  • Umstehende haben keine Beziehung zu Meta und faktisch keine Mitsprache beim Aufnehmen.

Foto: Gerardo Manzano via Pexels

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